Analysen

Wir untersuchen in verschiedenen Teilprojekten die institutionellen Rahmenbedingungen transformativer Wissenschaft, z. B. durch

 

Studie: Innovation Labs als integrative Transferinstrumente an deutschen Hochschulen

Die Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen verlangt nach wirkungsvoller Wissensproduktion und Innovation. Für Hochschulen ist dieser Anspruch eine Herausforderung für Lehre, Forschung und insbesondere Aktivitäten im Transferbereich. Für Transferstrategien, die sich an gesellschaftlichen Veränderungsprozessen orientieren, ist die Integration von Wissenschaft und Gesellschaft eine zentrale Aufgabe. Eine aussichtsreiche Möglichkeit für die Umsetzung integrativer Transferprozesse sind sogenannte Innovation Labs (engl. laboratories). Innovation Labs bieten wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Akteuren Räume, Plattformen und Gelegenheitsstrukturen für niederschwelligen Austausch sowie kollaboratives Forschen und transformatives Experimentieren. Dabei können Innovation Labs einerseits neue Transferprozesse mit gesellschaftlichen Akteuren und andererseits institutionellen Wandel für eine problemorientierte akademische Wissensproduktion befördern. Jedoch ist noch wenig über inhaltliche und methodische Aspekte sowie institutionelle Bedingungen für den Einsatz von Innovation Labs als Transferinstrumente in Deutschland bekannt.

Konsequenterweise adressiert dieses Teilprojekt folgende Fragen:

  1. Welche inhaltlichen Merkmale können für die Typisierung von Innovation Labs herangezogen werden und welche „Lab-Typen“ sind identifizierbar?
  2. Welche konzeptionellen Ansätze verfolgen Innovation Labs als Transfereinrichtungen für die Integration von Wissenschaft und Gesellschaft?
  3. Welche relevanten Erfolgsbedingungen für die praktische Umsetzung können hiervon abgeleitet werden?

Für die Umsetzung wird ein konzeptionelles Modell angewendet, welches Merkmale und Wechselwirkungen von Innovation Labs auf drei Ebenen untersucht:  Individuelle (u.a. Persönlichkeit, Fähigkeit, Kompetenz), institutionelle (u.a. institutionelle Integration) und systemische Ebene (Interaktion mit Akteuren der lokalen Umgebung). Das Design der Studie basiert auf einem vergleichenden Fallstudienansatz. Insgesamt neun Innovation Labs, die an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen angegliedert sind oder waren, werden komparativ untersucht. Die Analyse greift auf qualitative Daten zurück, die mittels qualitativer Interviews mit den Verantwortlichen der Innovation Labs gewonnen werden. Zudem fließen Ergebnisse einer Dokumentenanalyse in die Studie ein.

Für TRANSFORM dienen die Ergebnisse unter anderem als empirisch-gestützte Annäherung an relevante Erfolgsbedingungen für die Umsetzung integrativer Transferprozesse im akademischen Kontext.

 

Begleitforschung eines Ethikmoduls für die Lehrveranstaltung "Integrierte Produktentwicklung", in Zusammenarbeit mit dem IPEK und ARRTI, KIT

Ab dem Wintersemester 2021/2022 begleitet am KIT die Academy for Responsible Research, Teaching and Innovation (ARRTI) die Lehrveranstaltung „Integrierte Produktentwicklung“ vom Institut für Produktentwicklung (IPEK), um ethische und verantwortungsbezogene Aspekte der Technikentwicklung in die Lehre und Forschung zu integrieren. Die Lehrveranstaltung für Master-Studierende verfolgt das Ziel, wissenschaftliche Aspekte der Produktentwicklung in Kombination mit anwendungsbezogener Projektarbeit zu vermitteln und zu begleiten.

Die Integration ethischer Fragestellungen und der verantwortungsbewussten Reflexion eigener Forschungsfragen und Entwicklungsaktivitäten in das Curriculum sind eine institutionelle Neuerung und entsprechen grundsätzlich auch den Ansätzen der transformativen Wissenschaft, welche Wissenschaft wertebasiert auf die Unterstützung nachhaltiger gesellschaftlicher Wandlungsprozesse hin orientiert.

Daher nehmen wir die praktische Arbeit von ARRTI als Fallbeispiel, um diese curriculare Neuerung beobachtend zu begleiten, empirisch die Wirkung auf Produktentwicklungsprozesse zu erforschen und Erkenntnisse der Evaluation sowie Ergebnisse unserem Projektteilbereich "Methoden" in die weitere Arbeit des Projektes zurückzuspielen.

Ziel von TRANSFORM in diesem Kooperationsprojekt mit ARRTI ist es, die Integration ethischer Reflexion und die Umsetzbarkeit von Inter- und Transdisziplinarität in Lehre und Forschung zu untersuchen. Dies erlaubt weiterführende Rückschlüsse auf eine institutionelle Verankerung von transformativer Wissenschaft im etablierten akademischen System.

 

Kompetenzen für transformative Wissenschaft

Das Ziel der transformativen Wissenschaft ist es, Veränderungen nicht nur zu begleiten, sondern gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteur:innen mitzugestalten (Schneidewind 2013: 82f.). Diese proaktive, die Grenzen des Wissenschaftssystems überschreitende Rolle, stellt die Wissenschaft sowohl innerinstitutionell als auch an ihren Schnittstellen vor spezifische Herausforderungen. Das betrifft vor allem auch die Anforderungen, welche an die Akteur:innen innerhalb des Wissenschaftssystems gestellt werden und stellt damit die Frage nach den Kompetenzen, mit denen sie die Handlungsanforderungen bewältigen lernen. Diese Kompetenzen orientieren sich an den Zielen konkreter Handlungen in bestimmten Situationen, weshalb auch die Ableitung von Kompetenzanforderungen und -profilen kontextspezifisch ist.

Ziel des Teilprojektes ist es daher, basierend auf einer Literaturrecherche, Kompetenztheorien und -modelle, die für transformativ orientierte Wissenschaft relevant sind, zu erfassen, zu systematisieren und daraus ein Modell für transformative Kompetenzen zu entwickeln. In einem nächsten Schritt soll das transformative Kompetenzmodell als ein Baustein in ein ganzheitliches Befähigungsmodell integriert werden (s. Methoden).

 

Literatur
Schneidewind, U. (2013): Transformative Literacy. Gesellschaftliche Veränderungsprozesse verstehen und gestalten. GAIA 22/2: 82-86.